Chronik

Unsere Geschichte - über 70 Jahre Sossenheimer SPRITZER

Seit 1953 heißt es in Sossenheim: „HUMOR VERSPRITZEN!“

 

Was 1953 mit einer Idee, einer großen Portion Begeisterung und über 50 Fassenachtsfreunden begann, ist heute aus dem Sossenheimer Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Seit über sieben Jahrzehnten stehen die SPRITZER für hausgemachte Fassenacht, närrische Leidenschaft, Gemeinschaft und jede Menge Herzblut. Dabei ist eines bis heute unverändert geblieben:

Bei uns kommt die Fassenacht aus den eigenen Reihen – von SPRITZERN für SPRITZER und natürlich für unser Publikum!

Doch wie hat eigentlich alles angefangen?

1953 – Eine Idee wird zum Verein

Im Frühjahr 1953 hatte Christian Bollin eine Idee: Warum nicht die karnevalistischen Talente in Sossenheim zusammenbringen und einen eigenen Fassenachtsverein gründen? 

Gesagt, getan! Ali Buwen machte sich im Frühjahr und Sommer auf die Suche nach unentdeckten Talenten im Stadtteil. Und davon gab es offensichtlich jede Menge! Schon bald meldeten sich 50 begeisterte Sossenheimerinnen und Sossenheimer, die gemeinsam Fassenacht machen wollten. Am Samstag, dem 18. Juli 1953, schlug schließlich die Geburtsstunde der SPRITZER. Pünktlich um 21:15 Uhr eröffnete Ali Buwen im Gasthaus „Zum Taunus“ die Gründungsversammlung.

Gemeinsam mit rund 70 weiteren Fassenachtsbegeisterten hob er einen Verein aus der Taufe, dessen Name schon damals Programm war: DIE SPRITZER
Dahinter steckte die ebenso einfache wie geniale Idee von Ali Buwen:

„HUMOR VERSPRITZEN!“ Ein Motto, das bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat.
 

Bei der Gründungsversammlung wurde auch der erste Vorstand gewählt:

Amt Name
1.Vorsitzender Paul Vonhof
2.Vorsitzender Peter Lacalli
1.Schriftführer Robert Schneider
2.Schriftführer Josef Müller
Kassierer Max Müller
Kassenprüfer Fritz Kuhlemann und Franz Schmitt
Propagandaleiter Bernhard Ott
Sitzungspräsident Ali Buwen

Damit war der Grundstein gelegt. Doch lange ausruhen wolltem sich die frischgebackenen SPRITZER nicht.

1953 – Die erste Fassenacht lässt nicht lange auf sich warten

Am 11.11. geht es richtig los! - Gerade einmal vier Monate nach der Vereinsgründung war es so weit.

Am 11. November 1953 fand im Saal des Gasthauses „Zum Löwen“ die erste karnevalistische Veranstaltung der SPRITZER statt. Und schon damals durfte etwas nicht fehlen, das die Gemeinschaft des jungen Vereins zum Ausdruck brachte: das eigene SPRITZER-Lied! Den Text hatte kein Geringerer als Gründungsmitglied Ali Buwen verfasst.

Die erste Veranstaltung war der Auftakt zu einer langen Tradition. Von nun an gehörten regelmäßige Fassenachtsveranstaltungen fest zum Vereinsleben. Die SPRITZER hatten ihre Bühne gefunden und Sossenheim einen neuen närrischen Mittelpunkt.

1954–1956 Als die Schubkarren durch Sossenheim rollten

Eine legendäre Veranstaltung der frühen Jahre. 

Dass die SPRITZER nicht nur auf der Bühne für Unterhaltung sorgen konnten, bewiesen sie bereits in ihren Anfangsjahren. Von 1954 bis 1956 veranstaltete der Verein das legendäre Schubkarren-Rennen. Eine Veranstaltung, die bis heute zu den besonderen Geschichten aus der frühen SPRITZER-Zeit gehört. Schon damals zeigte sich: Die SPRITZER verstanden es, mit ungewöhnlichen Ideen und viel Humor das Sossenheimer Vereinsleben zu bereichern.

1958 – Die SPRITZER ziehen ins Volkshaus

Ein neues Zuhause für die Fassenacht. Mit dem wachsenden Erfolg des Vereins stiegen auch die Ansprüche an die Veranstaltungsräume. 1958 bot sich eine neue Möglichkeit: Das Volkshaus in der Siegener Straße wurde wiedereröffnet.

Die SPRITZER zogen ein und veranstalteten fortan dort ihre jährlichen Sitzungen. Das Volkshaus wurde schnell weit mehr als nur ein Veranstaltungsort. Es wurde zur närrischen Heimat des Vereins, zum Treffpunkt für Generationen von Fassenachtsfreunden und zum Schauplatz unzähliger unvergesslicher Momente. Eine Verbindung, die bis heute besteht.

1978 – Die kleinen SPRITZER erobern die Bühne

Nachwuchsarbeit wird zur Herzensangelegenheit. Ein Verein lebt von seinen Mitgliedern. Seine Zukunft aber lebt vom Nachwuchs. Das erkannten die SPRITZER schon früh.

1978 wurden die ersten Kindertanzgruppen gegründet. Damit begann ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte. Was damals mit den ersten jungen Tänzerinnen und Tänzern begann, entwickelte sich über die folgenden Jahrzehnte zu einem festen und unverzichtbaren Bestandteil des Vereins. Kinder und Jugendliche bekamen die Möglichkeit, gemeinsam zu trainieren, auf der Bühne zu stehen, Freundschaften zu schließen und die Begeisterung für die Fassenacht von klein auf zu erleben. Bis heute sind unsere Kinder- und Jugendgruppen eine der wichtigsten Säulen der SPRITZER. Denn eines ist sicher:

Die kleinen SPRITZER von heute sind die großen SPRITZER von morgen!

1980 – Unsere Geschichte wird für die Zukunft bewahrt

Eine Chronik voller Erinnerungen. Bereits 1980 machten sich zwei engagierte Vereinsmitglieder an eine ganz besondere Aufgabe. Erna und Karlheinz Essel begannen, die Geschichte der SPRITZER systematisch zusammenzutragen. In mühevoller Kleinarbeit sammelten, ordneten und beschrifteten sie historische Fotografien, Originaldokumente und Erinnerungsstücke aus den ersten Jahrzehnten des Vereins.

So entstand eine wertvolle Vereinschronik, die bis heute einen einzigartigen Einblick in unsere Geschichte ermöglicht. Ihre Arbeit legte den Grundstein dafür, dass viele Erinnerungen und besondere Momente nicht in Vergessenheit geraten sind. Mittlerweile wird die Chronik von engagierten Vereinsmitgliedern weitergeführt und wurde von Andreas Will digitalisiert. So bleibt unsere Geschichte lebendig – und für kommende Generationen erhalten.

Ende der 1980er-Jahre – Junge Talente erobern die Bütt

Auch der Nachwuchs hat etwas zu erzählen. Nicht nur im Tanz entwickelte sich die Jugendarbeit weiter. Ab Ende der 1980er-Jahre standen bei den SPRITZERN auch Jugendliche in der Bütt. Mit eigenen Vorträgen, Humor und jeder Menge Mut bewiesen sie, dass man für eine gute Büttenrede nicht erst jahrzehntelange Lebenserfahrung braucht. Damit wurde ein weiterer wichtiger Grundstein für die Zukunft der hausgemachten SPRITZER-Fassenacht gelegt.

Anfang der 1990er-Jahre – Frauen erobern den Elferrat

Die SPRITZER gehen neue Wege. Tradition ist wichtig. Aber manchmal gehört auch der Mut dazu, alte Gewohnheiten zu verändern. Während der Elferrat vielerorts noch ausschließlich Männern vorbehalten war, gingen die SPRITZER bereits Anfang der 1990er-Jahre einen anderen Weg. Die ersten Frauen nahmen im Elferrat Platz. Damit zeigte der Verein einmal mehr, dass sich Tradition und Veränderung nicht ausschließen müssen. Denn bei den SPRITZERN zählt vor allem eines: die gemeinsame Begeisterung für die Fassenacht.

1991–1994 – Eine Fassenacht mit Hindernissen

Erst fällt die Kampagne aus, dann fehlt das Wohnzimmer. Die frühen 1990er-Jahre stellten die SPRITZER vor besondere Herausforderungen. 1991 musste die Fassenachtskampagne aufgrund des Golfkonflikts ausfallen. Doch auch danach war nicht sofort wieder alles beim Alten. Wegen der Renovierung des alten und des Neubaus des Volkshauses mussten die SPRITZER für die Kampagne 1992/1993 ihre gewohnte Heimat verlassen. Kurzerhand zog die närrische Gesellschaft in den Saal des Bildungs- und Kulturzentrums (BIKUZ) nach Höchst um. Eine ungewohnte Situation, aber kein Grund, auf die geliebte Fassenacht zu verzichten.

1994 – Endlich wieder zu Hause!

1994 war es dann endlich so weit. Die SPRITZER konnten den großen Saal des neuen Volkshauses in der Siegener Straße beziehen. Das neue „Wohnzimmer“ war gefunden!

Seitdem ist das Volkshaus wieder der Mittelpunkt unserer großen Veranstaltungen und der Ort, an dem Jahr für Jahr gemeinsam gelacht, gesungen, getanzt und gefeiert wird.

2015 – Die Party-Sitzung wird geboren

Tradition trifft auf neue Ideen. Die Zeiten ändern sich. Und mit ihnen auch die Wünsche unseres Publikums. Die SPRITZER haben darauf reagiert und 2015 ein neues Veranstaltungsformat ins Leben gerufen:
Die SPRITZER-Party-Sitzung!

Die Idee dahinter: das Beste aus der traditionellen Fassenacht mit ausgelassener Partystimmung verbinden. Ein abwechslungsreiches Sitzungsprogramm, Unterhaltung und gemeinsam feiern – ganz im Stil der SPRITZER.

Das neue Konzept entwickelte sich zu einer echten Erfolgsgeschichte. Mit knapp 600 Gästen und ausverkauftem Haus gehört die Party-Sitzung inzwischen zu den Höhepunkten unserer Kampagne. Ein weiterer Beweis dafür, dass ein traditionsreicher Verein durchaus neue Wege gehen kann, ohne seine Wurzeln zu vergessen.

2018 – 800 Jahre Sossenheim

Die SPRITZER feiern mit ihrem Stadtteil, denn Sossenheim ist unsere Heimat.

Deshalb war es für die SPRITZER selbstverständlich, sich auch bei einem ganz besonderen Jubiläum einzubringen. 2018 feierte Sossenheim sein 800-jähriges Bestehen.

Die SPRITZER beteiligten sich mit großem Engagement an den Feierlichkeiten und zeigten einmal mehr ihre enge Verbundenheit mit dem Stadtteil. Denn wir sind nicht nur ein Fassenachtsverein. Wir sind ein Teil von Sossenheim – und darauf sind wir stolz!

2019 – Die Weiber übernehmen das Kommando

„Weiber feiern“ – und wie! Dass die Frauen bei den SPRITZERN ordentlich feiern können, war längst kein Geheimnis. Bis einschließlich 2018 war Weiberfasching in fester Hand der katholischen Weiber der St. Michael Gemeinde, die sich aufgrund von fehlenden Helferinnen und Alter zurückzogen. So bekam 2019 mit „Weiber feiern“ die SPRITZER ein neues, eigenes Veranstaltungsformat. Seitdem liegt der Weiberdonnerstag fest in den Händen unserer SPRITZER-Frauen. Und die wissen, wie man Stimmung macht! 
Rund 300 feierfreudige Damen verwandeln das Volkshaus in eine ausgelassene Partyzone. Musik, Tanz, gute Laune und jede Menge närrische Energie machen diesen Abend zu einem besonderen Höhepunkt der Kampagne.

Hier gilt ganz klar:

Die Weiber haben das Sagen – und der Saal bebt!

Heute – Über 70 Jahre und kein bisschen leise!

Aus den rund 70 Fassenachtsbegeisterten des Gründungsjahres ist eine große Vereinsfamilie geworden. Heute zählen die SPRITZER knapp 330 Mitglieder. Mehr als 120 Aktive stehen Jahr für Jahr auf, vor oder hinter der Bühne und sorgen dafür, dass unsere Veranstaltungen zu einem besonderen Erlebnis werden. Ob Büttenrede, Gesang, Tanz, Organisation oder Technik – jeder Einzelne trägt seinen Teil dazu bei.

Und dabei sind wir auf etwas ganz besonders stolz:

Bei den SPRITZERN ist alles hausgemacht!
 

Seit unserer Gründung 1953 wird unser Programm ausschließlich von eigenen Vereinsmitgliedern gestaltet und präsentiert. Wir kaufen keine fertigen Programme ein.

Wir machen unsere Fassenacht selbst! Unsere Büttenredner schreiben und präsentieren ihre Vorträge. Unsere Sänger und Tanzgruppen proben über viele Monate für ihren großen Auftritt. Kostüme werden mit viel Liebe zum Detail selbst entworfen und genäht.

Bühnenbilder werden geplant, gebaut und gestaltet. Der Saal wird von unseren Mitgliedern dekoriert und in eine närrische Erlebniswelt verwandelt. Und auch hinter den Kulissen packen alle mit an. Von der Organisation über die Technik bis zur Versorgung unserer Gäste mit Speisen und Getränken: Überall sind fleißige SPRITZER-Hände am Werk.

Was unser Publikum auf der Bühne erlebt, ist das Ergebnis unzähliger ehrenamtlicher Stunden, großer Leidenschaft und echter Gemeinschaft.

Genau das macht die SPRITZER-Fassenacht so besonders.

Unsere Tradition ist unsere Stärke. Unsere Gemeinschaft ist unsere Zukunft.

Seit 1953 haben sich viele Dinge verändert. Generationen von Mitgliedern sind gekommen und gegangen. Veranstaltungsformate wurden weiterentwickelt, neue Ideen verwirklicht und manche Traditionen neu interpretiert. Doch eines ist geblieben:
 

Die Begeisterung für unsere Fassenacht. Der Zusammenhalt unserer Vereinsfamilie.

Und die Freude daran, anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dafür stehen die SPRITZER – seit 1953 und auch in Zukunft.

DIE SPRITZER – WIR VERSPRITZEN HUMOR. SEIT 1953!

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